Beispiel Greding – Wasserheizung

WASSERVERSORGUNG
Jura-Schwarzach-Thalach-Gruppe • Greding:

Aus Wasser Wärme gewinnen

e3-9-5-1-Wasserheizg1Die Jura-Schwarzach-Thalach-Gruppe hat Pioniergeist bewiesen, denn sie nutzt seit geraumer Zeit das aus den Brunnen gewonnene Wasser nicht nur zur Trink­wasser­ver­sor­gung, sondern auch zum Heizen und konnte auf diese Weise ihre in die Jahre gekommene Ölheizung durch die umwelt­freund­liche „Wasserheizung“ ersetzen.

Statt sich Öl liefern zu lassen, um das Wasserwerk zu beheizen, sorgt bei der Jura-Schwarzach-Thalach-Gruppe das eigene Produkt, nämlich das geförderte Wasser für wohlige Wärme in den zahlreichen Räumen des Wasserversorgers. Eine Wärmepumpe, die in etwa die Dimension eines Heizkessels für ein Privathaus vorweist, sorgt für die Verteilung des warmen Wassers in die einzelnen Heizkörper. Die Idee, die Geothermie zu nutzen, stammt von dem Altbürgermeister von Hilpoltstein Helmut Neuweg, der sich nach seiner Amtszeit mit dieser Thematik beruflich intensiv auseinandergesetzt hat. Hinzu kam, daß der stellvertretende Landrat Max Netter damals überlegt hatte, sein Privathaus mit dem Wasser der JST-Gruppe zu beheizen. Auch wenn aus diesem Überlegungen nie Realität geworden ist, so lieferten sie zumindest den Anstoß, sich mit der Thematik weiter auseinanderzusetzen und zu prüfen, ob der Wasserversorger nicht auf diese Weise sein Gebäude quasi mit seinem eigenen Rohstoff beheizen könnte.

Kühlschrankprinzip

e3-9-5-1-heiz-8801879Ursprünglich wollte man ganz einfach lediglich einen Wärmetauscher anbringen, doch hier legte das Gesund­heits­amt sein Veto ein, da es Gefahren hinsichtlich einer möglichen Verunreinigung des Trinkwassers sah. Um dies komplett ausschließen zu können mußten zwei ge­trenn­te Systeme geschaffen werden, berichtet der Geschäftsführer der Gruppe Arno Bitterwolf. Für die Heizung wurde daher ein extra Zwischenkreis angelegt, über den die Wärmepumpe gespeist wird. Laut dem Instal­lations­fach­mann Karl Schmidt, der für die Projekt­umsetzung verantwortlich zeichnet, funktioniert das Ganze im Prinzip wie ein Kühlschrank, nur in umgedrehter Form. Das heißt im Klartext, daß die Pumpe Wärme produ­ziert und die Kälte wieder an das Becken abgibt.

Und der Fachmann macht bei dieser Gelegenheit gleich die Rechnung auf: mit einer Kilowatt­stunde, die man im Jahr verbraucht erhält man 4,3 Kilowatt­stunden, man erzielt somit einen hervorragenden Nutzungs­faktor. Rein theoretisch könnte man angesichts der hohen Wasser­mengen, die die JST-Gruppe fördert, nicht nur das eigene Wasserwerk, die Nebengebäude und die Lagerhalle beheizen, sondern eine Vielzahl weiterer Gebäude, allerdings müßte dazu erst das „Wärmetransportproblem“ gelöst werden.

Schonung von Umwelt und Geldbeutel

e3-9-5-1-spar-11636462_xxlDoch nicht nur die Umwelt wird durch diese wahrscheinlich einzigartige Heizprojekt geschont, sondern auch der Geldbeutel, denn laut Berechnungen der ausführenden Installationsfirma Karl Schmidt werden auf 20 Jahre hochgerechnet rund 78 Prozent der Heizkosten eingespart. In dieser Kalkulation sind laut Schmidt bereits Preissteigerungen im Öl- und im Stromsektor berücksichtigt worden. Angesichts der bis Anfang des Jahres verbrauchten 3000 Liter Heizöl per anno müsse man in den kommenden 20 Jahren Kosten in Höhe von 117.000,– Euro für den Rohstoff einkalkulieren, rechnet der Fachmann vor und stellt diesen Kosten die Stromkosten mit ca. 25.000,– Euro gegenüber.

Eine Rechnung, die für sich spricht, sich jedoch nicht auf Privathaushalte übertragen läßt, da hier andere Konditionen vorliegen. Die IST-Gruppe kann zum einen als Großabnehmer mit anderen Konditionen seitens des Stromanbieters kalkulieren und zum anderen kommt hier das Wasser direkt aus einer Tiefe von bis zu 200 Metern und man kann daher bereits mit einer Ausgangstemperatur von rund 19 Grad arbeiten. Der Geschäftsführer Bitterwolf zeigt sich nicht zu Unrecht stolz auf diese neue innovative Heizungsanlage und hat das Projekt bereits auf einer Fachtagung einem begeisterten Publikum vorgestellt, sodaß diese Art der Wärmegewinnung bei den Wasserversorgern vielleicht schon bald Schule machen könnte.

 
 
 

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