Beispiel Pfeffenhausen

WIRTSCHAFT
Rottenburger Gruppe • Pfeffenhausen • Geschäftsführers Manfred Kraheberger:

“Der Grund- und Trinkwasserschutz ist Aufgabe der Gesellschaft und nicht allein des Wasserversorgers”

Fakt ist, dass alle sauberes Trinkwasser wollen. Doch um dieses Ziel auch in Zukunft erreichen zu können, muss man bekanntlich das Grundwasser auch schützen. Aus Sicht des Geschäftsführers der Rottenburger Gruppe Manfred Kraheberger kann dies aber nicht die alleinige Aufgabe des Wasserversorgers sein. Er fordert eine Verteilung der Verantwortlichkeiten und hat sowohl die Politik, ihre Verwaltungsorgane und die Gesellschaft im Visier als auch die Landwirtschaft. Anhand von sehr drastischen Beispielen aus seiner Region stellt er dabei die Zusammenhänge dar.

e3-9-7-1-b1„Ein Wasserversorger kann nicht für den flächendeckenden Grundwasserschutz zuständig sein, auch nicht freiwillig. Die Genehmigungen für Schutzgebietsverfahren ziehen sich einerseits in die Länge, andererseits sollen die Trinkwasserversorger freiwillige Leistungen für vermeintliche Einschränkungen an die Landwirtschaft bezahlen.“, moniert Kraheberger und weist auf die Entwicklungen in seiner Region hin. Schweine- und Hühnermastställe in unvorstellbaren Dimensionen wurden hier gebaut.

Laut der Bürger- und Umweltliste Pfeffenhausen gibt es derzeit im Landkreis Landshut 250.000 Schweinemastplätze, was einer Steigerung von 370 % in den letzten 15 Jahren entspricht. Bei den Hähnchenmastplätzen kann man gar eine Steigerung von 620 % verzeichnen, denn hier wird die Zahl von 600.000 Stück genannt. Die Gemeinden Weihmichl und Hohenthann gelten derzeit als die „schweinedichtesten“ im Landkreis. Werden im Durchschnitt in bayerischen Mastbetrieben 143 Schweine gehalten, so sind es hier mittlerweile in vielen Betrieben 1500 Plätze. Ganz abgesehen von der tierschutzrechtlichen Seite stellt diese Konzentration auch ein Umweltproblem dar. Vorallem in den betroffenen Räumen Pfeffenhausen, Hohenthann und Pattendorf zeigt sich diese Belastung bereits im Grundwasser.

Laut der Karte des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz sind in dieser Gegend die Stickstoffüberschüsse bei 110 kg / ha, dem gegenüber steht ein Maximalwert von 80 kg / ha. Organischer Dünger fällt überall dort an, wo Tiere gehalten werden und er sorgt bei entsprechendem Einsatz für eine Verbesserung der Böden. Allerdings wird bereits im Wegweiser des LfU darauf hingewiesen, daß es dabei sowohl aus ökonomischen als auch ökologischen Gründen auf den richtigen Umgang ankommt, um eine zu starke Belastung von Grund- und Oberflächengewässern zu vermeiden. In der Düngeverordnung ist detailliert festgelegt, was man unter der immer wieder zitierten „guten fachlichen Praxis“ zu verstehen ist.

Umdenkungsprozess in der Landwirtschaft gefordert

e3-9-7-1-b2Unumstritten in Fachkreisen ist seit vielen Jahren die Tatsache, daß die intensive landwirtschaftliche Nutzung zu einer Verschlechterung des Trinkwassers führt. Nicht umsonst sind Nitratgrenzwerte festgelegt, denn in Verbindung mit anderen Stoffen werden die krebserregenden Nitrosamine gebildet. Bereits im Jahr 1982 hatte der Chemieoberrat Dr. Gernot Schretzenmeyr vom Bayerischen Landesamt für Umwelt explizit auf dieses Problem hingewiesen und kritisiert, daß vielerorts die Gülle auf den Feldern auch nach der Wachstumsperiode ausgebracht, beziehungsweise ganz einfach entsorgt werde. Pflanzen können das Nitrat dann nicht mehr aufnehmen, sondern es wird durch den nächsten Regen ganz einfach in den Boden eingespült. Der Fachmann forderte bereits damals mit Nachdruck einen Umdenkungsprozeß in der Landwirtschaft, anstatt der Ausbeutung der Natur durch die Inbetriebnahme von Aufbereitungsanlagen Tür und Tor zu öffnen.

Investitionskosten

Das Trinkwasser des Pfeffenhausener Brunnens weist inzwischen 38 bis 40 mg/l Nitrat auf. Im Jahre 2000 lag man noch bei 31 mg/l. Und eine von der Rottenburger Gruppe in Auftrag gegebene Isotopenanalyse hat ans Licht gebracht, daß 70 Prozent des Nitrats aus Gülle stammt. Pegelbohrungen hatten bereits vor Jahren gezeigt, daß bei einer Bohrtiefe von 33 bis 50 Metern das Grundwasser noch mit 50 bis 60 mg/l Nitrat belastet ist und daher als Trinkwasser nicht abgegeben werden kann, da der gesetzliche Grenzwert bei 50mg/l liegt. Notgedrungen baut man nun einen Brunnen in einem Waldstück. Die Investitionskosten in Höhe von 1 Mio Euro verbuchen die Verantwortlichen als Folgekosten für eine „intensive und sich immer mehr industrialisierende Landwirtschaft im Landkreis Landshut.“ Auch der Nitratgehalt im Hohenthanner Brunnen steigt immer mehr an, sodaß man bereits an den Bau einer Aufbereitungsanlage denken muß. „Die Politik und in der Folge die Fachbehörden demonstrieren Einigkeit darüber, sich mit der Rolle des Beobachtens zufrieden zu geben. Außerdem setzt man ganz offensichtlich auf die Machbarkeit der Grundwasseraufbereitung. Grundwasseraufbereitung bedeutet nichts anderes als mit sehr aufwendigen technischen -, chemischen – und/oder biologischen Verfahren dem Grundwasser die Schadstoffe wieder zu entziehen, dessen Eintrag man vorher zugelassen hat.“, geben die Verantwortlichen der Rottenburger Gruppe zu bedenken und weisen zudem auf die aus Investitions- und Betriebskosten resultierende Wasserpreiserhöhung hin.

Vermaisung

e3-9-7-1-b3Auf der anderen Seite hofft man, daß Kooperationsverträge mit den Landwirten abgeschlossen werden können, um den Nitratgehalt durch eine mit Ausgleichszahlungen vergütete grundwasserschonende Bewirtschaftung wieder senken zu können. Viele Tiere benötigen auch viel Futter. Und hier ergibt sich schon das nächste Problem, denn der Maisbau steigt stetig in der Gegend, zumal viele der Mastbetriebe zusätzlich noch Biogasanlagen gebaut haben. Die Statistik des Landwirtschaftsamts besagt, daß in der betreffenden Region die Maisflächen von 1996 bis 2009 um 46 % zugenommen haben. Beim Mais handelt es sich jedoch hinsichtlich des Trinkwasser nicht gerade um eine unproblematische Pflanze, denn sie erfordert starken Herbizid- und Pestizideinsatz. Auch wenn der Einsatz des Pflanzenschutzmittels Atrazin bereits Anfang der Neunziger Jahre verboten wurde, weist der Brunnen in Pfeffenhausen eine Atrazin- und Desethylazinbelastung von 80 % des gesetzlichen Grenzwertes auf. Und in den Oberflächengewässern Große Laaber und Hornbach konnten noch höhere Werte als im Trinkwasser nachgewiesen werden. Auch wenn seit 2006 in der Tiermast keine Antibiotika mehr eingesetzt werden dürfen, so ist der Verbrauch dennoch gestiegen, geben die Umweltschützer zu bedenken. Die Rückstände dieser Antibiotika finden sich dann wiederum in der Gülle und gelangen auf diese Art und Weise in den Boden und somit auch ins Grundwasser, sofern sie nicht während der Wachstumsphase von den Pflanzen resorbiert wurden.

Öffentlichkeit wachrütteln

e3-9-7-1-b4Durch die Teilnahme am Tag der Regionen, die Präsenz bei Gewerbeschauen, mittels der Einschaltung der Medien und Veranstaltungen in betroffenen Gebieten hat der Verband inzwischen versucht, mehr Menschen auf die Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Die Rottenburger Gruppe hat zwecks Sensibilisierung der Bevölkerung eine Wanderausstellung zusammengestellt, in der sehr beeindruckender und in schnell zu überblickender Weise die Fakten zusammengestellt und mit eindeutigen Fotos ergänzt wurden. Hier werden nicht nur die normalen Nitratwerte aufgelistet, sondern vorallem auch die Gefahrenquellen für das Grundwasser hervorgehoben. Siedlungen spielen hier ebenso eine Rolle wie die Industrie oder aber eben die Landwirtschaft. Und auch die Aufforstung als Weg zu einem verbesserten Grundwasserschutz wird fokussiert. Die Verantwortung für den Grundwasserschutz liege eindeutig bei der Gesellschaft hatte der 1. Vorsitzende Heinz Weinzierl am Tag des Wassers konstatiert und die Politik, sowie die ausführenden Verwaltungsorgane kritisiert: „Wir sind gerade dabei, innerhalb weniger Jahrzehnte, unsere über viele Jahrtausende sauberen Grundwasservorkommen so zu belasten, dass sie in naher Zukunft ohne Behandlung nicht mehr der Trinkwasserverordnung entsprechen…..Es fehlt ganz offensichtlich die notwendige Sensibilität, für diese so wichtige, ja elementare Grundversorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser.“ Auch Kraheberger geht davon aus, daß sich nichts ändern wird, wenn nicht die politischen Rahmenbedingungen geändert werden und man somit davon ausgehen kann, daß das vom Verbraucher eingeforderte saubere aus Grundwasser gewonnene Trinkwasser auf der Strecke bleiben wird. „Es ist eigentlich wie bei der Finanzkrise. Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert.“, bringt er es auf den Punkt.
 
 
 
 

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