ARGE – Techniker-Tagung 2015

Neueste technische Entwicklungen zum Schutz unseres Wasser

Steinberg. Am vergangenen Donnerstag lud die Arbeitsgemeinschaft Wasserver- und Entsorgungsunternehmen Niederbayern – Oberpfalz, kurz ARGE, zur jährlichen Herbsttagung, speziell für das technische Personal ihrer Mitglieder nach Steinberg-Warth, ins Gasthaus Baumgartner. Die Resonanz war „überwältigend“, so der langjährige ARGE-Geschäftsführer Bernd König, der Saal war mit rund 130 Teilnehmer voll besetzt.

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Auf der Agenda stand geballtes Wissen zu aktuellen Themen der Branche – drei Vorträge am Vormittag und zwei am Nachmittag. Dr. Stephanie Kauf-Schraml von der Schraml GmbH referierte gleich zweimal: zum einen über das brisante Thema „IT-Sicherheit in der Fernwirktechnik“ und zum anderen über den „Ersatz für schadensanfällige Fernsteuerkabel“; Bernd König gab praktische Tipps zur “Ermittlung und Bewertung von Rohrnetzverlusten“; Georg Senft und Ludwig Sigl von der ARGE Niederbayern – Oberpfalz befassten sich mit der „Organisation des Bereitschaftsdienstes“ und Michael Birkhorst von der KUVB referierte über die „Gefährdungsbeurteilung in der Wasserversorgung“.

d7-b0005-DSC00038Als Ehrengast begrüßte er den ersten Bürgermeister der Gemeinde Marklkofen, Peter Eisgruber-Rauscher, der auch der Vorsitzende des Zweckverbands Wasserversorgung Mittlere Vils ist: „Ich freue mich, dass die ARGE Niederbayern – Oberpfalz in diesem Jahr im Gemeindegebiet Marklkofen tagt. Das Thema Wasser ist für all Gemeinden ein immer wichtigeres Thema. Damit alles auch weiterhin im Sinne der Bürger klappt ist es besonders wichtig, dass dieses Thema in kommunaler Hand bleibt.“ Der Vorteil: Kommunale Unternehmen sind gemeinwohlorientiert, das heißt den Bürgern verpflichtet, während private Unternehmen profitorientiert ausgerichtet sind und ihren Aktionären verpflichtet sind.

d7-b0005-DSC00037Bernd König sprach im Anschluss aktuelle Themen und den jeweiligen Stand der Verhandlungen an. Das Spektrum reichte unter anderem von einem Energie-Audit über eine Änderung in den Vorgaben zur IT-Sicherheit bis zu einem möglichen EU-Verbot für Pflanzenschutzmittel, die in die Kritik geraten sind. Weitere Themen waren neue Vorschriften, die derzeit “in Arbeit” sind, bei denen aber bisher weder Ergebnisse noch verbindliche Termine bekannt sind.

Vortrag “IT-Sicherheit”

d7-b0005-dt_xs_13344904Dr. Stephanie Kauf-Schraml referierte als erstes über das Thema IT-Sicherheit und erklärte dabei grundsätzlich die Methode und die Vorgehensweise bei externen Angriffen. So erfuhren die Teilnehmer, dass die meisten Angriffe nicht gezielt stattfinden, sondern diese Angriffe nach bestimmten IP-Feldern ausgeführt werden und also jeder betroffen sein kann. Danach wies sie auf mögliche Schwachstellen hin (offene Ports, USB-Sticks, veraltete Software oder das Versäumen von Updates) und gab Tipps zu den besten Vorbeugemaßnahmen gegen Angriffe von außen (Updates, Firewall, Software mit besonders hohen Risiken vom PC entfernen etc.).

Vortrag “Rohrnetzverluste”

d7-b0005-rohrbr1-zwrBernd König konzentrierte sich auf das Thema Wasserverluste und die Berechnung des spezifischen Wasserverbrauchs nach dem offiziellen DVGW-Arbeitsblatt. Schwerpunkte waren die Bewertung von Wasserverlusten und die Suche von Rohrbrüchen. Bernd König machte darauf aufmerksam, dass jeder Kubikmeter Wasser, der im Boden versickert, Geld kostet und es aus Gründen der Kosteneffizienz daher wichtig mögliche Schadstellen frühzeitig zu erkennen. Dazu stellte er eine Methode vor, die beispielsweise auch beim hiesigen Wasserversorger WMV eingesetzt wird (Überwachung des Nachtverbrauchs zwischen 1 Uhr und 3 Uhr, hier muss der Verbrauch „theoretisch“ bei 0 Kubikmeter Durchfluss liegen).

Zudem stellte er zwei Geräte vor, mit deren Hilfe die Überwachung umgesetzt werden kann. Das eine Gerät ist von der Firma ADCON aus Österreich, das zweite von der Firma AquaLink aus Slowenien. Beide Geräte überwachen mittels Funk/GPRS die Durchflüsse in den Schächten in bestimmten Zeitintervallen (15 Minuten bzw. 30 Minuten) und Übertragen die Werte dann an die Verwaltung zur Auswertung.

Vortrag “Fernübertragung von Daten”

d7-b0005-dt_l_18505545Der zweite Vortrag von Dr. Stephanie Kauf-Schraml handelte von den Übertragungswegen in der Fernwirktechnik – auch im freien Feld ohne Kabel- / Internetanbindung möglich. Im Wesentlichen ging es darum, das es auch andere Möglichkeiten gibt, als die Übertragung per Internet bzw. das für die Übertragung in der Fernwirktechnik auch eine leistungsschwächere DSL-Verbindung ausreichen kann. Neben der Übertragung per Internet wurde auch auf die Möglichkeit zur Übertragung per Handynetz vorgestellt.

Vortrag “Bereitschaftsdienst”

d7-b0005-DSC00190Nach der Mittagspause folgte der Vortrag zum Bereitschaftsdienst, der bei den Teilnehmern auf große Resonanz stieß, da fast alle teilnehmenden Unternehmen einen Bereitschaftsdienst vorhalten. Es ging dabei unter anderem um die allgemeine Organisation des Bereitschaftdienstes, das heißt Entstördienst und Meldestelle als zwei getrennte Personen, um die Abläufe allgemein (Anruf kommt auf Meldestelle, diese gibt Meldung an den Entstördienst weiter etc.), die Entlohnung und Berechnung der Stunden, die sich aus den Einsätzen ergeben und die Integration des Bereitschaftsdienstes in den allgemeinen Maßnahmenplan.

Auch auf die Gestaltung der Bereitschaftsfahrzeuge wurde eingegangen und es wurde auf Sicherheitsvorkehrungen hingewiesen (Absicherung, z.B. bei Einsatz auf Straßen, Begehung von Schächten etc.). Den technischen Teil übernahm dabei Ludwig Sigl, den Teil zur Dokumentation und den rechtlichen Vorschriften übernahm Georg Senft. Im Teil zur Dokumentation ging es unter anderem um die Meldungen zu den einzelnen Störungen, Möglichkeiten zu deren Auswertung sowie die Anforderungen an die Organisation, um mögliche Organisationsverschulden im Vorfeld zu vermeiden.

Vortrag “Gefährdungsbeurteilung in der Wasserversorgung”

d7-b0005-36924788_xxlDer letzte Vortrag der Veranstaltung wurde von Michael Birkhorst gehalten. Dabei ging es um die Gefährdungsbeurteilung von bestimmten Tätigkeiten und Arbeitsschritten. Zu Beginn wurde das Unternehmen und die Ansprechpartner vorgestellt. Der Referent ging dabei auf die Haftung bei möglicher Missachtung solcher Beurteilungen ein und auch auf die Konsequenzen bei Unfällen, wenn keine Bewertung im Vorfeld unternommen wurde.

Ein weiterer Punkt war dann die Arbeitssicherheit im Allgemeinen. In diesem Zusammenhang zeigte der Referent auch kurz auf, wo entsprechende Informationen zu gefährlichen Arbeiten für den einzelnen Mitarbeiter zu finden sind (um im Vorfeld abklären zu können, „ob ich diese oder jene Arbeit grundsätzlich ausführen darf“. Weitere Punkte der Präsentation waren außerdem Sicherheitsdatenblätter, Arbeit mit gefährlichen Stoffen, die Fachkraft für Arbeitssicherheit im Unternehmen etc.



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